Kasernenanlage Neutramm

Die Kasernenanlage Neutramm hatte bereits vor Ihrer Nutzung durch Bundesgrenzschutz und Bundeswehr ihr Geschichte. 1937 setzten die Hauptarbeiten zum Bau einer Munitionsanstalt für die Wehrmacht ein. Planung und Ankauf in Form von Enteignung mit entsprechender Entschädigung schloß die Verwaltung der Wehrmacht bereits ein Jahr zuvor ab. Aus dieser Zeit stammt  auch der Ortsname „Neutramm", abgeleitet von dem nahegelegenen Dorf Tramm.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges erfuhren die Bauarbeiten eine nochmalige Beschleunigung, was die Anlage zu einem weit verzweigten Komplex heranwachsen ließ. In typischer Rundlingsform angelegt, entstanden mit dem „Wendlanddorf" eine Vielzahl von Munitionsbunkern, Werk- und Lagerhallen, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, sowie ein gut ausgebautes Straßennetz mit Gleisanschluss. Für die Bevölkerung dieser Gegend blieb die gesamte Anlage ein „Buch mit sieben Siegeln". Unter strengster Bewachung und besonderer Geheimhaltung montierten dort Arbeitskräfte bis 1945 die berüchtigten Vergeltungswaffen (V-Waffen). Das Ausmaß des gesamten Wehrmachtkomplexes konnte zu der Zeit als die Bundeswehr noch Hausherr war bei einem Rundgang, mit Besichtigung der Bunker im südlichen Außenbereich, nur erahnt werden. Die durch den Fernmeldesektor B genutzten Unterkunftsgebäude und Hallen stammen größtenteils aus jener Zeit und dienten den Angehörigen der Wehrmacht als Wohnung oder Arbeitsbereich.


 

Form und Architektur der Gebäude, die sich in die Landschaft einfügen, passen sich dem Charakter dieser ländlichen Gegend hervorragend an. Ein Grund drängt sich, nach damaliger Interessenlage, berechtigter Weise sofort auf: Eine möglichst optimale Tarnung des Objektes, um jegliche Art von Beobachtung unbedingt zu vermieden. Die Tarnung blieb bis Kriegsende erfolgreich. In einem Punkt nahm man es allerdings aus anderen Gründen sehr genau, die Frage, ob über den Dächern der „Wendenknüppel" oder die zwei gekreuzten Köpfe des „Niedersachsen-Rosses'' ragen sollen. Nach 14-tägiger Bedenkzeit einigte man sich höheren Ortes auf das wendländische Symbol.

 


Wendenknüppel


Gebäude 9 mit
Wendenknüppel

 

Kurz vor Kriegsende stießen alliierte Truppen auf diese, für sie unbekannte militärische Anlage. Amerikanische Soldaten inspizierten zuerst die Anlage, dann schafften sie alle interessanten Restbestände an V1-Raketen und den modifizierten, bemannten Typ der Fieseler Fi-103 „Reichenberg" (Re 3) zur weiteren Erforschung nach Amerika. Später zog britisches Militär in den Standort Neutramm. 1946 erschien eine internationale Kommission, die den Abtransport der noch vorhandenen V-Waffen leitete und auch eine Verteilung disponierte.

 


 

Amerikanische Soldaten mit einer bemannten Version,
der Fi-103 Re 3,
das Foto (Fotograf unbekannt) entstand
im April 1945 vor Halle 44,
dem heutigen
„Historischen Feuerwehrmuseum Neutramm".
Quelle Foto: de.wikipedia.org



 

ein V1-Modell in Peenemünde arrow.gif 
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Im nah gelegenen südlichen Wald befindet sich ein kleiner Friedhof. Sechs russische Lagerinsassen fanden dort ihre letzte Ruhe.
Die Gräber wurden damals durch Angehörige der Standortverwaltung Lüneburg, Außenstelle Dannenberg gepflegt.
Die Anlage wird auch heute noch gepflegt und ist in einem sehr guten Zustand.

    

  

Die Engländer richteten im inneren Unterkunftsteil der Munitionsanstalt Reparaturwerkstätten für Militärfahrzeuge ein (REME). Zentrum der Werkstätten war die Halle 14. Man schätzt die Zahl der Beschäftigten dort bis 1949 auf 750 Arbeiter. Nach Abrücken der Inselsoldaten erhielt der Landkreis Lüchow-Dannenberg den Auftrag, handwerkliche Betriebe in der Kaserne anzusiedeln. Bis 1952 fanden Karosseriebauer, Bürstenmacher, Herrenschneider, Mühlenbauer und weitere Handwerker in Neutramm Arbeit.

Das „Grenzschutzkommando Küste" des Bundesgrenzschutzes wurde neuer Hausherr und stationierte eine Ausbildungsabteilung in Neutramm. In diese Zeit fiel auch der Aus- und Umbau des Straßennetzes, die Errichtung eines neuen Wasserwerkes, die Verlegung der Kanalisation mit Wasserleitung und die Schaffung von Dienstwohnungen vor dem Kasernengelände. Besonderen Bekanntheitsgrad besitzt heute noch  der damalige BGS-Kommandeur Walter Eschrich. Er bekleidete von 15. 11. 1972 bis 30. 09. 1984 das Bürgermeisteramt der Stadt Dannenberg.

 

 


Ansichtskarte aus den 1950er Jahren

 


Kaserne - Wache

aus Richtung Ost

aus Richtung Nord

der "Rundling" aus Richtung Nord

der Speisesaal im Jägerheim
(vor dem Umbau)

der Sportplatz mit -halle
(vor der Sanierung)

Schießstand

Pistolen-/MG-Schießstand

Viele meinten, daß im Wendland wohl eine der schönsten Bundeswehrkasernen in Norddeutschland stand. Die Anlage gliederte sich in zwei Bereiche. Im inneren Bereich befinden sich Unterkünfte, Wirtschaftsgebäude, der technische Bereich, drei Schießstände sowie Sporthalle und -platz. Auch befand sich auf dem 54 Hektar großen Areal ein Wildschweingatter. Böse Zungen behaupteten damals, der FmSkt B wäre "der größte Schweinestall der Luftwaffe".


das Wildschweingatter 1985


Das Übungsgelände, ein weiterer Schießstand (Gewehr) und zahlreiche Überreste von ehemaligen Hallen und heute unbetretbaren Munitionsbunkern befinden sich im 121 Hektar großen Außenbereich ('Außengelände'). In  diesem Bereich nutzte auch das Technische Hilfswerk (THW) zwei große Gebäude, bis es Anfang der 1990er Jahre in das Turmgelände Thurau umzog.
Anfangs innerhalb der Kaserne, später aber abgetrennt von der militärischen Anlage gliedert sich eine interessante und umfangreiche Sammlung deutscher Feuerwehrgeschichte im „Historischen Feuerwehrmuseum Neutramm" an.



Seit einiger Zeit steht vor der Kaserne
eine Informationstafel.

 

Über die Geschichte der Kasernenanlage Neutramm hat Jochen Tarrach 1988 ein interessantes Buch geschrieben.
Der Autor war selbst viele Jahre Angehöriger des Fernmeldesektor B.

 


Kaserne Neutramm als placemark für google earth herunterladen (Ortsangaben ohne Gewähr): arrow.gif 
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Ein gute Übersicht der Gebäude bietet der Eigentümer, die Firma arrow.gif 
(948 Byte)Wendländische Verwaltungsgesellschaft Neu-Tramm mbH (WVG) an.

 

Historische Fotos aus der Kaserne zeigt das arrow.gif 
(948 Byte) Wendland-Archiv -- Orte - Neu Tramm ; siehe auch hier:  arrow.gif 
(948 Byte) Damals im Wendland.